Demo Rise for Climate in Mainz

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Bürger der Stadt Mainz setzen beim Globalen Klimaaktionstag „Rise for Climate“ ein Zeichen für raschen Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas – in Deutschland und weltweit

Am globalen Klimaaktionstag "Rise for Climate" fanden über 20 Aktionen in Deutschland und über 850 Aktionen in über 95 Ländern weltweit statt. In Mainz hatten Bürger auf die schon heute spürbaren Folgen der Klimakrise hingewiesen und forderten Kohle, Öl und Gas im Boden zu lassen.

Um 13 Uhr haben sich 700 Menschen auf dem Bahnhofsplatz versammelt und dort den Redebeiträgen von Philipp Veit (Veranstalter Rise For Climate Mainz), Anna Katharina Lill (Greenpeace Mainz/Wiesbaden) und Klaus Grieger (Vorstand der Urstrom Bürgerenergiegenossenschaft Mainz eG) gelauscht. Danach ging der Demonstrationszug zum Schillerplatz und wurde von vielen Mainzern bejubelt. Begleitet wurde der Zug passend zum Thema klimaneutral von der Fahrradstaffel der Polizei Mainz. Am Schillerplatz gab es dann noch Redebeiträge von Ulrike Höfken (Umweltministerin RLP), Jutta Paulus (Landesvorsitzende Grüne RLP), Egbert Bialk (Landesvorstand BUND RLP) und Tupac Orellana (Kreisvorsitzender, Die Linke Mainz/Bingen). Das Highlight war der Beitrag des 9 jährigen Mädchens Annuk, die selbstbewusst ihre Rede vor so vielen Menschen gehalten hat und vielen Erwachsenen verdeutlicht hat, warum wir unser Klima retten müssen.

Die zentralen Forderungen von Rise For Climate Mainz an die Stadt Mainz und das Land RLP sind:

1) Divestment aller Geldanlagen aus Kohle, Gas und Öl und die Aufforderung an die Uni Mainz, auf 100 % erneuerbaren Strom umzusteigen.

2) Solaranlagen auf allen öffentlichen Gebäuden. Auf der Feuerwache ist quasi alles vorbereitet, doch einzelne Entscheidungsträger in der Verwaltung blockieren die Umsetzung. Deshalb wird dort eine Solaranlage bis zum Ende des Jahres gefordert.

3) Konsequenter Ausbau des ÖPNV zu bezahlbaren Preisen und Ausbau der Radinfrastruktur.

4) Mehr Begrünung in der ganzen Stadt auf Dächern, an Fassaden, auf Plätzen und überall, wo es sonst noch möglich ist. Wir wollen keine Betonwüste, wie sie am Eingang der Uni entstanden oder jetzt am Zollhafen geplant ist.

Geplant sind weitere Demonstrationen in regelmäßigen Abständen um den Fortschritt der Forderungen zu begleiten.

In Deutschland hatten zahlreiche Aktionen den Kohleausstieg und die aktuelle Situation im Hambacher Forst zum Thema. Darüber hinaus gab es unter anderem Aktionen zur Verkehrswende, zum Thema Divestment und zu den Folgen der Klimakrise.

„In Mainz haben 700 Menschen heute ein starkes Zeichen für echten Klimaschutz und einen schnellen Ausstieg aus allen fossilen Energieträgern gesetzt. Dieses Signal geht auch an RWE und die deutsche Bundesregierung. Die Bundesregierung muss die Rodung des Hambacher Forstes stoppen und den Kohleausstieg jetzt sofort einleiten statt die Verantwortung in eine Kommission abzuschieben“, so Philipp Veit von Rise for Climate in Mainz.

Als Mitveranstalter war auch Greenpeace Mainz/Wiesbaden am 08.09 bei der Demo "Rise for Climate" vor Ort mit dabei. Anna Katharina aus unserer Gruppe hatte die Ehre vor den Demonstranten*innen sprechen zu dürfen. Hier könnt ihr ihre Rede nachlesen oder anschauen (siehe Link unten):
 
Liebe Mitstreiter*innen,
erstmal vielen Dank, dass ihr alle gekommen seid. Ich durfte an der Organisation dieser Demo mitwirken und deshalb ist es umso schöner, jetzt hier stehen zu dürfen und zu sehen, dass ihr unserem Ruf gefolgt seid, weil ihr hinter den Zielen von Rise For Climate steht. Weil ihr bereit seid, für Veränderungen aufzustehen. Wir brauchen diese Verän-derungen. Und zwar dringend. Denn wenn wir das Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 Grad und damit auf ein gerade noch erträgliches Maß zu begrenzen, noch erreichen wollen, müssen wir und muss die Politik jetzt handeln. Wir haben keine Zeit mehr.
Um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, muss Deutschland raus aus der Stromgewin-nung aus fossilen Brennstoffen. Eine besondere Belastung für das Klima ist die Braunkohle, bei deren Nutzung besonders viel CO2 freigesetzt wird. Rund 20 Prozent der deutschen CO2-Emissionen stammen aus der Braunkohleverstromung. Aber die Braun-kohle schadet nicht nur mittelbar durch die Förderung der Erderwärmung. Durch die Ausweitung des Braunkohletagebaus werden auch schützenswerte und artenreiche Le-bensräume, wie der seit der letzten Eiszeit existierende Hambacher Forst, unwieder-bringliche zerstört. Als ob das nicht schon genug wäre, werden auch heute noch Men-schen gegen ihren Willen umgesiedelt, um ihre Heimat dem Abbau eines Rohstoffs zu opfern, dessen Verbrennung ein Verbrechen an der Zukunft unseres Planeten ist. Des-halb fordern wir einen schnellen und konsequenten Ausbau der erneuerbaren Ener-gien, damit sie unseren gesamten Strombedarf decken. Das ist möglich, im Moment aber politisch zu oft nicht gewollt.
Neben der Energiewende ist für eine deutliche Reduktion der Treibhausgasemissionen eine grundlegende Veränderung der Verkehrspolitik notwendig. Der Ausbau des ÖPNV ist dabei genauso unabdingbar wie ein Bekenntnis zur Förderung des Fahrradverkehrs. Nicht nur, weil dies das Klima schont, sondern auch weil das Recht von Stadtbewohnern
auf Gesundheit und eine lebenswerte Umgebung wichtiger ist als das Recht auf uneingeschränkten
Individualverkehr.
Und ein dritter Aspekt ist mit einem klimafreundlichen Leben fundamental verbunden:
Unsere Ernährung. Hier sei nur die Tatsache erwähnt, dass der ausufernde Konsum tierischer
Lebensmittel einen immensen Ausstoß von Treibhausgasen zur Folge hat. Wenn
wir unsere Ernährungsgewohnheiten beibehalten, werden wir den Klimawandel nicht
stoppen können. Es geht nicht darum, dass jeder vegan leben muss. Es geht darum,
weniger Tierprodukte zu konsumieren, auf deren Produktionsbedingungen zu achten
und keine Lebensmittel wegzuwerfen. Die kommenden Generationen werden uns fragen,
warum wir den Klimawandel nicht begrenzt haben. Und die Antwort: „Weil das
Schnitzel vom Discounter lecker und billig war“, wird sie ganz sicher nicht befriedigen.
Der Klimawandel ist ohne Frage die größte Herausforderung des 21.Jahrhunderts. Er
wird das Leben auf der Erde unwiederbringlich verändern. Extreme Wetterphänomene,
wie wir sie diesen Sommer spüren, sind erst die Vorboten. Und die, die am meisten
leiden werden, sind nicht wir, sondern die Länder, die die Erderwärmung in viel geringerem
Maße verschuldet haben als wir. Europa hat von der Ausbeutung der Menschen
und der Natur dieser Länder profitiert und tut das noch. Es ist Zeit, endlich Verantwortung
für unseren Einfluss auf die Welt zu übernehmen. Der Klimawandel wird, wenn wir
ihn nicht eindämmen, zur Verknappung lebenswichtiger Ressourcen führen. Dass dies
gerade dort, wo ohnehin Ressourcenknappheit herrscht, auch zu bewaffnete Konflikten
führen wird, ist eine logische Schlussfolgerung. Diese Konflikte werden zusätzlich zu
den klimatischen Problemen Todesopfer fordern und Menschen zur Flucht zwingen.
Das sind die Gründe, aus denen wir heute hier sind. Wir sind heute hier, weil wir die
Nase voll haben davon, dass politische Maßnahmen zugunsten des Klimaschutzes als
unrealistische abgetan werden, Versprechungen nicht gehalten und Entscheidungen
verzögert werden. Wir sind hier, weil wir wütend sind, dass die Interessen großer Konzerne
wichtiger sind als das Leben auf der Erde, das sich in Jahrmillionen entwickelt hat
und nun in rasender Geschwindigkeit zerstört wird. Weil wir es satt haben, dass unbegrenzter
Konsum und Bequemlichkeit wichtiger sind als die Lebensbedingungen unserer
Kinder. Wir sind hier, weil wir wissen, dass die Menschheit dabei ist, ihre Lebensgrundlage
zu zerstören.
Gegen den Klimawandel zu kämpfen, ist, und das will ich hier nochmal betonen, keine
Wohlfühlaktion für das Ego von Gutmenschen. Gegen den Klimawandel zu kämpfen,
bedeutet, für das Leben auf diesem Planeten zu kämpfen. Für das Leben der Tiere und
für das Leben der Menschen. Damit es lebenswert bleibt und damit es möglich bleibt.
Dafür müssen wir handeln und dafür muss endlich auch die Politik handeln. Hier und
heute.
Dankeschön.

Weiterführende Links

Rise for Climate - Rede von Anna Katharina

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