Presseerklärung: Protest gegen Massentierhaltung für Billigfleisch

Greenpeace-Aktivisten verwandeln Lidl-Markt in Wiesbaden in einen konventionellen Schweinestall

Themengebiet:
Landwirtschaft

Gegen die Tierhaltungsbedingungen bei der Lidl-Billigfleischmarke "Landjunker" protestieren heute Greenpeace-Aktivisten am Lidl-Markt in der Friedrich-Bergius-Straße 1 in Wiesbaden. Dazu verwandelten sie den Markt optisch in einen konventionellen Schweinestall. Großflächig auf die Fenster geklebte Fotos zeigen die Tiere in ihren engen Ställen, über Lautsprecher ist das aufgeregte Quieken vieler Schweine zu hören. Es klingt, als würden die Kunden direkt in einem Mastbetrieb einkaufen gehen. Auch auf dem Dach der Filiale protestieren die Greenpeace-Aktivisten mit einem Banner gegen die Haltungsbedingungen der Tiere. "Für Discounter-Billigfleisch leiden Tiere millionenfach in deutschen Ställen", sagt Viktoria Däuwel, Pressesprecherin von Greenpeace Mainz/Wiesbaden. "Zu viel Gülle verschmutzt unser Trinkwasser und der hohe Einsatz von Antibiotika sorgt für immer mehr multiresistente Keime in der Umwelt. Lidl muss umdenken und seinen Kunden Fleisch von Tieren aus besseren Haltungsbedingungen liefern."

Konventionelle Haltung verstößt gegen das Tierschutzgesetz

In einem Rechtsgutachten hat Greenpeace die Zustände in der Schweinehaltung genau beleuchtet und kommt zu dem Schluss, dass die derzeit gesetzlich zulässigen Standards gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Sie wird den Bedürfnissen der Schweine nicht gerecht: Statt acht Stunden Wühlen auf der Suche nach Pilzen, Wurzeln und Würmern bekommen die meisten Schweine zweimal täglich Futter vor die Nase gekippt –und vertilgen dieses in wenigen Minuten im Streit mit dicht stehenden Nachbarn. Daneben ist ihr Leben öde (vollständiges Rechtsgutachten unter http://gpurl.de/iNK6z). Das Bundesland Berlin folgt der Argumentation des Rechtsgutachtens und will mit einer Normenkontrollklage bessere Haltungsbedingungen erreichen.

Tierwohl-Siegel führt in die Irre

Bessere Haltungsbedingungen suggeriert auch das Siegel der „Initiative Tierwohl“, das Supermärkte wie Lidl und Aldi auf ihre Fleischverpackungen drucken lassen. Doch die "Tierwohl"-Vorgaben genügen den Anforderungen des Tierschutzgesetzes ebenfalls nicht: Zu niedrig sind die Standards. Dazu kommt: Obwohl nur ein Bruchteil des Lidl-Schweinefleisches wir klich aus "Tierwohl"-Haltung stammt, wird das Logo auf alle Produkte gedruckt. Das Bundeskartellamt fordert daher Nachbesserungen.

Die zahlreichen Label und Siegel geben oft wenig Aufschluss über die Tierhaltungsbedingungen. Deshalb schafft Greenpeace auch online mehr Transparenz über Standards und Defizite bei der Fleischkennzeichnung. Ein neu gestarteter Chatbot hilft unter www.greenpeace.de/chativist, einen Überblick zu gewinnen. Zudem können sich Verbraucher unter www.greenpeace.de/Siegelratgeber informieren.